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Akute Myeloische Leukämie (AML)

Die Akute Myeloische Leukämie ist eine akute Leukämie, die von unreifen Vorstufen der roten Blutkörperchen, Blutplättchen und einem Teil der weißen Blutkörperchen ausgeht.

Der Prozess der Entstehung und Ausreifung der Blutzellen der myeloischen Reihe gerät bei der AML außer Kontrolle, sie vermehren sich übermäßig, reifen aber nicht mehr zu funktionstüchtigen Zellen heran.

Dadurch verdrängen sie die normale Bildung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und funktionstüchtigen (reifen) weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Die Funktionen des Blutsystems werden dadurch beeinträchtigt.

Die Erkrankung verläuft akut, weil sich die Symptome sehr schnell entwickeln.

Wer ist betroffen?

Etwa drei Patienten pro Jahr und 100.000 Einwohner erkranken an einer AML.

Die AML ist die häufigste Form akuter Leukämien bei Erwachsenen.

Zwei Drittel aller Patienten sind älter als 60 Jahre, das heißt, es gibt relativ wenige junge Patienten mit AML. Auf das Geschlecht bezogen, erkranken mehr Männer als Frauen.

Da es heute gelingt, viele Patienten zu heilen, gibt es immer mehr Patienten, die diese Krankheit überlebt haben.

Was sind die Ursachen?

Die Akute Myeloische Leukämie ist keine erbliche Krankheit. Die Entstehung der AML ist auf Schäden im Erbgut (DNA) einer Knochenmarkzelle zurückzuführen, die noch sehr viel Entwicklungspotenzial hat.

Bekannte Faktoren, die das Risiko erhöhen können, sind

  • Therapien mit bestimmten Zytostatika (Medikamente, die die Zellteilungsfähigkeit herabsetzen)  
  • ionisierende Strahlen: Radioaktive- und Röntgenstrahlung, wobei es keine Hinweise darauf gibt, dass die Strahlendosis bei routinemäßig durchgeführten Röntgenuntersuchung, das Risiko einer Leukämieerkrankung erhöht  
  • chemische Substanzen (wie z.B. Benzol, Insektizide oder 2-3-Benzpyren)
  • vorliegen einer Erkrankungen des Blutes oder Knochenmarkes (z.B. MDS) oder einer genetischen Erkrankungen (z.B. Down Syndrom)

     

Was sind die Symptome?

Bei einer AML kommt es zu einem Mangel an funktionstüchtigen Blutzellen.

Das verursacht beim Patienten verschiedene Symptome, die nicht unbedingt charakteristisch sind, so dass sie zu Beginn der Erkrankung oft übersehen oder falsch gedeutet werden.

Häufig auftretende Symptome bei der Diagnosestellung sind:
Fieber, Blässe, Anämie (Blutarmut), (bedingt durch die Anämie) verminderte Leistungsfähigkeit und Müdigkeit/Abgeschlagenheit, Nasenbluten, schwer stillbare Blutungen (z.B. nach Zahnarztbesuch), winzige punktartige Blutungen vor allem an Armen und Beinen (sog. Petechien), Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Benommenheit, Knochenschmerzen, Gelenkschmerzen, Entzündungen, häufig wiederkehrende Erkältungen, blaue Flecken, geschwollene Lymphknoten, eine vergrößerte Leber, eine vergrößerte Milz.

Seltener auftretende Symptome bei der Diagnosestellung sind:
Atemnot selbst bei mäßiger Belastung, uncharakteristische Kopfschmerzen, Sehstörungen, Erbrechen, Hautveränderungen und Chlorome, Zahnfleischwucherungen (Gingivahyperplasie), Vergrößerung eines Hodens.

Die hier beschriebenen Symptome der AML sind im Allgemeinen sehr unspezifisch.

Sie können auch im Zusammenhang mit vergleichsweise harmlosen Erkrankungen auftreten und haben in meisten Fällen nichts mit einer AML zu tun.

Bei anhaltenden Beschwerden ist es jedoch ratsam, so bald wie möglich einen Arzt zu konsultieren, um die Ursache zu klären. Bei Vorliegen einer akuten Leukämie, muss schnellst möglich mit einer Behandlung begonnen werden.

Diagnose

Da alle genannten Symptome aber auch auf andere Krankheiten hinweisen können, muss zur sicheren Diagnosestellung die Zusammensetzung des Blutes untersucht werden (Differentialblutbild). Aus dem Ergebnis dieses Blutbildes kann man einen ersten Hinweis über die Anzahl der verschiedenen Blutbestandteile und damit über eine eventuelle Abweichung von der Norm erhalten.

Da die verschiedenen Blutbestandteile im Knochenmark gebildet werden, wird man immer auch das Knochenmark des Patienten untersuchen müssen.
Das dazu benötigte Knochenmark (5-10ml) wird unter örtlicher Betäubung mit einer geeigneten Nadel aus dem Beckenknochen (Beckenkammbiopsie) oder Brustbein (Sternalpunktion) entnommen.

In Ausnahmefällen wird bei Vorliegen von Symptomen wie Muskellähmungen der Nervenwasserkanal im Bereich der Lendenwirbelsäule punktiert (Lumbalpunktion).
Bei dieser Punktion wird Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) entnommen. Sind die Hirnhäute befallen, dann lassen sich im Liquor entsprechende Zellen nachweisen.

Weiterhin können Ultraschalluntersuchungen (Sonografie) des Bauches, Computertomografien, Röntgenaufnahmen und Kernspintomographien zur Diagnostik beitragen.

Nach den bei den genannten Untersuchungen gewonnen Erkenntnissen, wird eine AML in verschiedene Subtypen unterschieden. Auch werden Patienten in sog. Risikogruppen eingeteilt. Dabei spielt auch die Zytogenetik (Untersuchung von Veränderung im Erbgut der Zelle) eine wesentliche Rolle. Die Einteilung in Subtypen und Riskogruppen ist entscheidend für die Prognose und den jeweiligen Therapieplan.

Behandlung

Die Standardtherapie bei AML ist die Chemotherapie.

Wenn eine Form der AML mit hohem Rückfallrisiko vorliegt oder die Chemotherapie alleine keinen ausreichenden Therapieerfolg gebracht hat, geht man immer mehr dazu über, so schnell wie möglich eine allogene Stammzelltransplantation durchzuführen, ggf. sogar ohne vorher erst die gesamte Chemotherapie zu durchlaufen.

Grundsätzlich ist die Stammzelltransplantation natürlich nur dann sinnvoll, wenn das Risiko eines Rückfalls unter Chemotherapie höher ist als das Risiko der Transplantation.

Die autologe Stammzelltransplantation, bei der nach Hochdosistherapie eigene zuvor gesammelte Stammzellen übertragen werden, spielt heute eine untergeordnete Rolle in der Therapie der AML.

Allen Therapien gemeinsam ist, dass sie dazu dienen vorhandene Leukämiezellen überall im Körper möglichst vollständig abzutöten, damit das Knochenmark wieder seine ursprüngliche Funktion - die Blutbildung - aufnehmen kann.

Unbehandelt verläuft die AML innerhalb kurzer Zeit tödlich.

Weiterführende Informationen zur Behandlung der AML (z.B. auch Infos über laufende Therapiestudien) finden Sie auf den Internetseite des Kompetenznetzes Leukämie.

Kontextspalte

Weiterführende Literatur

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) des Erwachsenen - Wissenswerte Informationen rund um die AML für Patienten und Angehörige

Kostenlose Patientenbroschüre die vom Kompetenznetz Leukämien in Zusammenarbeit mit der Leukämiehilfe RHEIN-MAIN e.V. herausgegeben wird.

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) des Erwachsenen
Die Akute Myeloische Leukämie (AML) des Erwachsenen